Setzzeiten beim Rehwild: Darauf ist zu achten
Die Setzzeit ist eine sehr schöne, aber auch anstrengende Zeit. Es bereitet Freude, die Ricke mit ihren Kitzen zu beobachten.
Die Setzzeit ist eine sehr schöne, aber auch anstrengende Zeit. Es bereitet Freude, die Ricke mit ihren Kitzen zu beobachten. Andererseits bedrohen allerlei Gefahren das Familienglück. Während der Setzzeit reagiert das Wild besonders empfindlich auf Störungen. Trächtige Ricken sind aufgrund ihres Körperumfangs nur eingeschränkt fluchtfähig und stark gefährdet. Vor allem wildernde Hunde stellen ein grosses Problem dar. Nach dem Setzen gilt es, den Nachwuchs zu schützen und ihm einen sicheren Start ins Leben zu ermöglichen. Eine wichtige Aufgabe ist die Rehkitzrettung, denn nach wie vor sterben zahlreiche Jungtiere den Mähtod.
Was passiert in der Setzzeit?
Die beim Rehwild genannte Brunft erstreckt sich von Juli bis August. Nach der erfolgreichen Paarung tritt eine Keimruhe ein. Das Ei ruht im Anschluss an die Befruchtung etwa 4,5 Monate lang, wodurch sich die Entwicklung verzögert. Nach einer Tragzeit von etwa 9,5 Monaten wirft die Ricke zumeist zwei, selten auch ein oder drei Rehkitze. Rund 96 Prozent aller Rehkitze kommen in den Monaten Mai und Juni zur Welt. Bei der Geburt wiegt das Rehkitz ungefähr ein Kilogramm.
Um Feinde nicht auf die Fährte der Kitze zu locken, besucht die Ricke ihre Jungen nur kurz zum Säugen. Sie beobachtet ihren Nachwuchs aus sicherer Entfernung. Die Rehkitze legen sich ab, indem sie sich nahezu reglos ins Gras drücken. In der Anfangszeit verfügen sie über keinen Eigengeruch, sodass potenzielle Beutegreifer sie nicht finden. Ihr getupftes Fell dient der Tarnung. Erst im Alter von zwei bis drei Wochen geht der Duckreflex verloren und die Tiere besitzen einen Fluchtinstinkt. Allerdings sind sie dann weiterhin gefährdet, denn zumeist springen sie erst auf, wenn der Beutegreifer bis auf wenige Meter an sie herankommt. Nach wie vor ist das Vertrauen in ihre Tarnung gross. Zu den Feinden des Rehkitzes gehören Füchse, Luchse, Wölfe, Bären, aber auch Wildschweine und Steinadler. Viele Jungtiere fallen ausserdem wildernden Hunden zum Opfer oder verenden im Mähwerk bei der Heu- und Grasernte.
Worauf müssen Spaziergänger während der Setzzeit achten?
Eine besondere Rücksichtsnahme ist insbesondere in der Setzzeit sehr wichtig. Das betrifft vor allem Landwirte und Erholungssuchende. So kommt es zum Beispiel immer wieder vor, dass Spaziergänger ein regungslos im tiefen Gras verharrendes Rehkitz finden und dieses anfassen. Der nach der Berührung anhaftende Fremdgeruch hält die Ricke davon ab, sich weiterhin um ihr Kitz zu kümmern. Ausserdem entsteht oft der Eindruck, das Kitz sei verwaist. Da die Geissen in der ersten Zeit bewusst auf Abstand gehen, ist diese Annahme falsch. Leider wissen viele Menschen zu wenig über das Rehwild. Informationstafeln dienen in diesem Fall der Aufklärung und können insbesondere während der Setzzeit Missverständnisse und Fehlverhalten vermeiden.
Ein weiteres Problem sind wildernde Hunde. Diese muss der Tierhalter während der Setzzeit unbedingt an der Leine zu führen. In der Schweiz gibt es je nach Ort eine gesetzliche Leinenpflicht, die sich in vielen Kantonen von Mai bis Juni erstreckt. Durch das hohe Gras stöbernde Hunde sind nicht nur dann eine Gefahr für das Rehwild, wenn sie es jagen und reissen, sondern allgemein kommt es zu einer starken Beunruhigung. Berührt der Hund das Rehkitz, dann überträgt er seinen Geruch auf das Jungtier. Die Ricke nimmt es dann oft nicht mehr an. Sowohl Spaziergänger mit als auch ohne Hund müssen unbedingt auf den Wegen bleiben. Das gilt auch für Reiter und Mountainbiker.
Setzzeit: Was kann der Landwirt tun?
Eine der grössten Gefahren geht von landwirtschaftlichen Maschinen aus. Jahr für Jahr sterben zahlreiche Rehkitze bei den Mäharbeiten einen qualvollen Tod. Da sie in den ersten Lebenstagen noch keinen Fluchtinstinkt besitzen, sondern ruhig im Gras liegenbleiben, flüchten die Kitze nicht oder machen sich sonstwie bemerkbar. Das hat zur Folge, dass der Landwirt das Rehkitz nicht sieht und die Maschine über den kleinen Tierkörper fährt. Die Rehkitzrettung ist deshalb eine wichtige Aufgabe für den Jäger und seine freiwilligen Helfer. Inzwischen gibt es moderne Methoden, die Kitze zu retten. Voraussetzung hierfür ist die Mithilfe und Unterstützung durch den Landwirt, der den Jäger beispielsweise über alle anstehenden Mähtermine informiert und den Zugang zur Wiese ermöglicht. Häufig suchen die Rehkitzretter die Wiesen während der gesamten Setzzeit im wöchentlichen Turnus ab, um einen Überblick über den Bestand zu erhalten und auch neugeborene Kitze zu erfassen.
Welche Möglichkeiten gibt es zum Schutz der Kitze während der Setzzeit?
Was das Rehkitz unter natürlichen Bedingungen vor Beutegreifern schützt, wird ihm beim Einsatz schwerer Landmaschinen zum Verhängnis. Es versteckt sich nicht nur erfolgreich vor Fuchs und Co., sondern auch das menschliche Auge ist kaum dazu in der Lage, das Kitz sofort zu erfassen. Um den Mähtod zu verhindern, sind deshalb verschiedene technische Hilfsmittel im Einsatz. Dazu gehören mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen beziehungsweise Multikopter, die über der Wiese fliegen und das Areal von der Luft aus überwachen. So lassen sich ins Gras geduckte Rehkitze leichter auffinden. Ist das Kitz gefunden, dann erfolgt die vorsichtige Bergung, ohne das Tier direkt zu berühren. Das Rehkitz kommt in eine mit Gras beschattete und mit einem Stein beschwerte Kiste. Ein mobiler Zaunpfahl markiert den Standort im hohen Gras, so dass der Landwirt den Lageplatz sofort erkennt und dementsprechend handelt. Er trägt das Kitz zum Waldrand oder mäht um die Kiste herum. Später nimmt er das Kitz zusammen mit einem Grasbüschel aus der Kiste und schon bald findet es seine Mutter wieder. Auf diese Art und Weise kam es in der Schweiz in den letzten Jahren zur Rettung von mehr als 8150 Kitzen. Weniger effektiv als die Arbeit mit der Drohne, aber dennoch besser als gar keine Rehkitzrettung ist das Absuchen der Wiese mit Menschenketten oder das Vergrämen der Rehe mit Verblenden und speziell konzipierten Duftstoffen.
Fazit
Für die Rehkitzrettung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Jäger und Landwirt wichtig. Mit modernen Methoden gelingt es, den Mähtod rechtzeitig zu verhindern. Darüber hinaus sind Spaziergänger und insbesondere Hundehalter anzuhalten, ihre Tiere während der Setzzeit an der Leine zu führen und auf den Wegen zu bleiben.