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Blattjagd im Sommer: Den passenden Rehblatter finden und richtig üben

Ein Rehbock folgt einer Ricke auf einer grünen Wiese und nimmt Witterung auf während der sommerlichen Blattzeit.png


Das Jagdjahr kennt viele besondere Momente. Die Blattzeit im Hochsommer besitzt jedoch eine ganz eigene Spannung. Während der Rehbrunft sind Böcke häufiger in Bewegung und mitunter auch zu Tageszeiten sichtbar, in denen sie sich sonst kaum zeigen.

Mit einem Rehblatter lassen sich natürliche Kontakt-, Erregungs- und Klagelaute des weiblichen Rehwilds nachahmen. Richtig eingesetzt kann das einen bislang heimlichen Bock dazu bewegen, aus der Deckung zu treten. Doch die Blattjagd beginnt nicht erst mit dem ersten Fieplaut. Sie verlangt Vorbereitung, Geduld und ein gutes Verständnis dafür, welche Laute der verwendete Blatter erzeugen kann. Ebenso wichtig sind ein geeigneter Standort, die Windrichtung, möglichst wenig Bewegung und eine Situation, die bereits vor dem ersten Lockruf vollständig auf Sicherheit geprüft wurde.

In diesem Guide erfährst du, was während der Rehbrunft geschieht, welcher Rehblatter zu dir passt, wie sich die wichtigsten Laute unterscheiden und wie du dich verantwortungsvoll auf die Blattzeit vorbereitest.

Rechtlicher Hinweis: Jagdzeiten und zulässige Hilfsmittel können kantonal unterschiedlich geregelt sein. Prüfe deshalb vor der Blattjagd die aktuellen Vorschriften der zuständigen kantonalen Jagdfachstelle. Elektronische Tonwiedergabegeräte zum Anlocken von Wild sind in der Schweiz grundsätzlich verboten. Dieser Beitrag behandelt ausschliesslich Blatter, bei denen der Ton von Hand oder mit dem Mund erzeugt wird.

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1. Wann beginnt die Blattzeit?

Die Rehbrunft fällt grundsätzlich in die Monate Juli und August. Die besonders aktive Phase liegt vielerorts zwischen Mitte Juli und Anfang August. Der genaue Verlauf kann jedoch regional und von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein.

Die Brunft beginnt nicht einfach deshalb, weil das Thermometer besonders hohe Werte erreicht. Sie ist biologisch gesteuert.

Wetter, Temperatur, Höhenlage und Störungen beeinflussen aber, wann sich das Wild bewegt und wie gut es beobachtet werden kann. An sehr heissen Tagen verlagert sich die Aktivität häufig stärker in die kühleren Morgen- und Abendstunden. Bei bedecktem Wetter, nach einem Regenschauer oder einem Wetterwechsel können Rehe auch tagsüber aktiver sein. Der Kalender liefert somit einen Anhaltspunkt, entscheidend bleibt jedoch die Beobachtung vor Ort.

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2. Was während der Blattzeit im Rehwild passiert

Die Blattzeit ist die Paarungszeit des Rehwilds. Die Böcke haben ihre Territorien bereits im Frühjahr bezogen, markiert und gegenüber Konkurrenten verteidigt. Während der Brunft verändert sich ihr Verhalten jedoch deutlich: Sie sind häufiger unterwegs, suchen nach paarungsbereiten Geissen und verfolgen diese mitunter über längere Strecken. Dabei kann es zu den für die Blattzeit typischen Verfolgungen kommen. In Wiesen oder Feldern entstehen durch das wiederholte Kreisen von Bock und Geiss gelegentlich sogenannte Hexenringe. Das niedergedrückte Gras zeichnet dabei die zurückgelegten Bahnen nach.

Ein jüngerer Rehbock springt im gestreckten Galopp von links nach rechts über eine grüne Wiese während der sommerlichen Blattzeit.png


Der Rehblatter ahmt Laute des weiblichen Rehwilds nach, um die Aufmerksamkeit eines Bockes zu wecken. Eine automatische Reaktion gibt es jedoch nicht. Brunftphase, Alter und Erfahrung des Bockes, Wind, Gelände, Störungen und die Anwesenheit echter Geissen beeinflussen das Geschehen. Steht ein Bock bereits bei einer brunftigen Geiss, kann selbst ein sauberer Blattlaut unbeachtet bleiben. Ein anderer Bock nähert sich möglicherweise vorsichtig, lautlos und aus einer unerwarteten Richtung. Genau diese Unberechenbarkeit macht den besonderen Reiz der Blattjagd aus.

⁠Ein biologisches Wunder: Die Keimruhe Eine Besonderheit des Rehwilds ist die sogenannte embryonale Keimruhe. Obwohl die Befruchtung bereits während der sommerlichen Brunft stattfindet, setzt sich die Entwicklung des Embryos nicht sofort in normalem Tempo fort. Sie verlangsamt sich für mehrere Monate stark. Erst gegen Ende des Jahres beginnt die intensivere Entwicklung. Die Kitze werden dadurch überwiegend im Mai und Juni gesetzt – zu einer Jahreszeit, in der mildere Temperaturen, frische Äsung und zunehmende Deckung günstige Bedingungen für ihre ersten Lebenswochen bieten.

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3. Welcher Rehblatter passt zu mir?

Rehblatter unterscheiden sich vor allem in Bedienung, Klangvielfalt und Übungsaufwand. Ein komplizierteres Modell ist nicht automatisch besser. Der passende Blatter ist jener, den du auch unter Anspannung sicher, leise und wiederholbar bedienen kannst.

Einfach und zuverlässig: Der Buttolo-Rehblatter

Der Buttolo gehört zu den bekanntesten Rehblattern. Der Ton entsteht, indem der Gummibalg mit dem Daumen zusammengedrückt wird. Je nach Stärke und Geschwindigkeit des Drucks lassen sich unterschiedliche Lautfolgen erzeugen.

- Die Vorteile: Einfache, intuitive Bedienung; kein kontrollierter Luftstrom notwendig; auch mit wenig Erfahrung reproduzierbare Töne.

- Zu beachten: Eine Hand wird permanent für die Bedienung benötigt; die Klanggestaltung ist begrenzter als bei Mundblattern.

Unsere Empfehlung: Rehblatter Buttolo

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Vielseitig und vorgestimmt: Der Nordik Roe

Der klassische Nordik Roe ist ein vorgestimmter Mundblatter. Die Tonlage wird verändert, indem das Gummiband zwischen den vorgesehenen Kerben verschoben wird. Ein doppelter Resonanzboden ermöglicht zudem eine Anpassung der Lautstärke.

⁠- Die Vorteile: Mehrere Tonlagen möglich; Lautstärke lässt sich anpassen; beide Hände sind nach dem Lockruf rasch wieder frei für die Büchse.

⁠- Zu beachten: Luftstoss und Mundhaltung müssen im Vorfeld genau geübt werden; zu starkes Blasen kann schnell unnatürlich laut wirken.

Für feinere Modulation: Der Nordik Pro Roe

Der Nordik Pro Roe bietet zusätzliche Möglichkeiten zur Klanggestaltung. Die verschiedenen Laute werden durch Zahnposition, Druck und Länge des Luftstosses erzeugt. Damit lassen sich Kontakt-, Erregungs- und intensivere Klagelaute extrem naturgetreu nachahmen.

- ⁠Die Vorteile: Sehr breites Lautspektrum; feine Abstufung von Tonlänge und Intensität; hohe Flexibilität für geübte Anwender.

- ⁠Zu beachten: Benötigt deutlich mehr Übung und Gefühl; unter Jagdfieber können ungeübte Töne leichter variieren.

Finde den passenden Rehblatter: Bei Hauptner Jagd findest du die bewährtesten Wildlocker für den Jagderfolg im Sommer – darunter den legendären Buttolo-Rehblatter sowie den Nordik Roe und Nordik Pro Roe.

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4. Die wichtigsten Blatttöne verstehen

Bevor du mit dem Üben beginnst, solltest du wissen, welche Situation der jeweilige Laut nachahmt:

Der Kontakt- oder Fieplaut: Der kurze, eher ruhige Fieplaut dient beim Rehwild der allgemeinen Verständigung. Bei der Blattjagd bildet er den zurückhaltenden Einstieg. Der Ton sollte kurz, sauber und nicht unnötig schrill sein.

⁠- Der Erregungs- oder Sprengfiep: Er klingt dringlicher, bewegter und meist etwas hastiger. Er soll eine Geiss nachahmen, die von einem Bock bedrängt wird. Dieser Laut ist intensiv und sollte nicht bereits zu Beginn in voller Lautstärke eingesetzt werden.

⁠- Das Angstgeschrei: Das sogenannte Angstgeschrei oder der Quallaut stellt eine starke Steigerung dar. Es imitiert eine im höchsten Masse bedrängte oder gestresste Geiss. Da es viel Unruhe bringt, sollte es sehr sparsam eingesetzt werden.

⁠- Der Kitzfiep oder Kitzklagelaut: Diese hohen Töne sprechen häufig vor allem weibliches Rehwild an, dem unter Umständen ein Bock folgt. Da ein Kitzklagelaut eine Not- oder Trennungssituation nachahmt und auch Beutegreifer (wie den Fuchs) anlocken kann, sollte er nicht gedankenlos verwendet werden.

Ein aufmerksamer Rehbock blickt direkt aus dem hohen, grünen Gras einer Wiese in die Kamera während der Blattzeit.png

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5. Richtig üben: Wiederholbarkeit statt Lautstärke

Bei einem Rehblatter geht es nicht darum, einen einzelnen möglichst eindrucksvollen Ton zu erzeugen. Entscheidend ist, denselben sauberen Laut auch später unter Anspannung wiederholen zu können.

⁠- Nur einen Laut nach dem anderen lernen: Beginne mit dem einfachen Kontaktfiep. Übe ihn so lange, bis Tonhöhe, Länge und Lautstärke gleichmässig sind, bevor du zu komplexeren Lauten übergehst.

⁠- Dich selbst aufnehmen: Eine Aufnahme mit dem Smartphone ist eine einfache und hilfreiche Kontrolle. Der Ton klingt für die Person am Blatter durch die Eigenvibration des Schädels ganz anders als aus einigen Metern Entfernung.

⁠- Im abgestellten Auto üben: Ein geparktes Fahrzeug (nicht während der Fahrt!) oder der eigene Keller sind ideale Übungsräume. Dort stört das wiederholte Fiepen weder die Familie noch die Nachbarschaft.

⁠- Nicht im späteren Jagdgebiet testen: Teste den Blatter nicht wochenlang im späteren Jagdgebiet. Unnötige Lockrufe im Vorfeld können Wildtiere beunruhigen, Reaktionen vorab auslösen und das Wild misstrauisch machen.⁠

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6. Weniger ist häufig mehr

Ein häufiger Fehler bei der Blattjagd ist nicht der falsche Ton, sondern zu viel Aktivität. Zu laute Rufe, sehr kurze Pausen und ständige Wiederholungen wirken unnatürlich. Gleichzeitig steigt mit jeder Bewegung das Risiko, von einem bereits unbemerkt herangekommenen Stück entdeckt zu werden.

Nach einer Rufserie braucht es absolute Ruhe und Aufmerksamkeit. Ein Bock muss nicht lautstark oder direkt reagieren – er kann langsam, vorsichtig und vollständig lautlos aus der Deckung treten. Geduld gehört deshalb ebenso zur Blattjagd wie das Instrument selbst.

Rehbock im Sommer. Ein Bock mit Gehörn steckt den Kopf aus einem goldgelben Kornfeld und schaut in die Kamera.png

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7. Den Standort vor dem ersten Ruf vorbereiten

Bevor der Blatter eingesetzt wird, muss die gesamte Situation beurteilt sein. Dazu gehören:

- Windrichtung und potenzielle Anwechsel des Wildes

- Geeignete Deckung und ein ausreichendes Sichtfeld

- Ein absolut sicherer Kugelfang sowie die Kontrolle von Vorder- und Hintergelände

- Eine stabile, entspannte jagdliche Position

Das Wild kann aus einer völlig anderen Richtung erscheinen als erwartet. Die Waffe wird sicher geführt und erst dann eingesetzt, wenn das Wild eindeutig angesprochen, die Situation vollständig beurteilt und ein verantwortbarer Schuss möglich ist. Die Blattjagd darf nie zu einer hektischen Reaktion führen.

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8. Tarnung: Hilfreich, aber nicht alles

Bei der Blattjagd können Rehe auf sehr kurze Entfernung erscheinen. Dann fallen Bewegungen, helle Hautpartien (Gesicht und Hände) und eine frei stehende menschliche Kontur sofort auf. Leichte Tarnbekleidung, Handschuhe oder eine Gesichtsmaske können deshalb extrem hilfreich sein.

Wichtiger als eine vollständige 3D-Tarnung sind jedoch ein ruhiger Hintergrund, eine unbewegte Haltung und langsame, kontrollierte Bewegungen. Achte bei Tarnbekleidung darauf, dass sie atmungsaktiv und geräuscharm ist. Die Sicherheit gegenüber anderen Waldbesuchenden hat immer Vorrang – kantonale oder lokale Bekleidungsvorschriften (z. B. Orange-Anteil bei bestimmten Jagden) sind stets zu beachten.

Ruhig in die Umgebung einfügen: Leichte, geräuscharme Tarnbekleidung, Gesichtsmasken und Handschuhe helfen dabei, Bewegungen und helle Konturen auf kurze Entfernung für das Auge des Wildes unsichtbar zu machen. 

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Bildcollage zur Blattjagd. Ein Jäger im Tarnanzug zielt mit dem Gewehr vom Zielstock aus, daneben ein erfolgreich erlegter Rehbock mit Gehörn im Gras.png

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9. Checkliste für die Vorbereitung

Einige Wochen vorher:

- Kantonale Jagdzeiten und spezifische Vorschriften geprüft?

- Passenden Blatter ausgewählt und die Bedienungsanleitung verinnerlicht?

- Den einfachen Kontaktfiep an einem neutralen Ort geübt und per Smartphone kontrolliert?

- Treffpunktlage der Jagdwaffe auf dem Schiessstand überprüft?

Vor dem Jagdtag & am Standort:

- Wind- und Wetterlage aktuell geprüft?

- Blatter griffbereit und lautlos am Körper verstaut?

- Am Standplatz: Sicheren Kugelfang bestimmt und stabile Position eingenommen?

- Erste Rufserie zurückhaltend begonnen und danach aufmerksam und geduldig gewartet?

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Häufige Fragen (FAQ) zur Blattjagd

Wann ist die beste Zeit für die Blattjagd? Die Rehbrunft findet im Juli und August statt. Die besonders aktive Phase liegt vielerorts zwischen Mitte Juli und Anfang August. Die exakten Jagdzeiten richten sich nach den kantonalen Vorschriften.

Warum reagieren Rehböcke auf einen Blatter? Der Blatter ahmt Kontakt-, Erregungs- oder Klagelaute der Geiss nach. Diese wecken die Aufmerksamkeit des Bockes oder suggerieren ihm eine paarungsbereite Ricke in seinem Revier.

Welcher Rehblatter eignet sich für Anfänger? Der Buttolo-Rehblatter ist aufgrund seiner einfachen Handbedienung per Gummibalg besonders einsteigerfreundlich, da kein kontrollierter Luftstrom mit dem Mund erzeugt werden muss.

Sind elektronische Lockrufe in der Schweiz erlaubt? Nein. Elektronische Tonwiedergabegeräte zum Anlocken von Tieren sind in der Schweiz grundsätzlich verboten. Erlaubt sind rein hand- oder mundbetriebene Wildlocker.

Was ist die Keimruhe beim Rehwild? Nach der Befruchtung im Sommer entwickelt sich der Embryo mehrere Monate lang fast gar nicht weiter (Keimruhe). Erst im Spätherbst setzt die normale Entwicklung ein, sodass die Kitze im vorteilhaften Frühjahr (Mai/Juni) geboren werden.

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Fazit: Der beste Blatter ist der vertraute Blatter

Die Blattjagd ist kein Wettbewerb um den lautesten oder spektakulärsten Ruf. Ihre besondere Faszination liegt in der konzentrierten Beobachtung und in der Möglichkeit, natürliche Lautäusserungen des Rehwilds nachzuahmen. Ob du dich für den unkomplizierten Buttolo, den vorgestimmten Nordik Roe oder den vielseitigeren Nordik Pro Roe entscheidest, hängt von deiner Erfahrung und deinen persönlichen Vorlieben ab.

Wichtig ist, dass du deinen Blatter blind beherrschst. Ein sauberer Kontaktfiep, der jederzeit sicher gelingt, ist meist wertvoller als eine ganze Folge intensiver Laute. Richtig eingesetzt, ist der Blatter kein Garantieschein, sondern ein zurückhaltendes, faszinierendes Werkzeug für eine verantwortungsvolle und waidgerechte Sommerjagd.

⁠Waidmannsheil und eine eindrückliche, sichere Blattzeit!

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