Erste Hilfe für den Jagdhund Teil 2
- Jagdhunde
Erste Hilfe ist ein Thema, das nicht nur im Leben der Menschen eine wichtige Rolle spielt, sondern das auch bei jedem Tier und dabei vor allem bei jedem arbeitenden Tier - und somit auch beim Jagdhund - unbedingt berücksichtigt werden sollte. Kenntnisse in Erste Hilfe für den Jagdhund sollten daher immer parat sein und auch von gestandenen Jägern regelmäßig aufgefrischt werden. Dies gilt auch dann, wenn man natürlich hofft, nie in die Situation zu kommen, in der man seinem eigenen Hund das Leben retten muss. Eher soll der Ausflug ins Revier und zur Jagd sowohl für den Jagdhund als auch für dessen Herrchen oder Frauchen ein wunderbares Erlebnis sein, in dem man sich, seinem Hund und natürlich dem Wild in seinem Revier durch Hege und Pflege viel Gutes tun kann. Trotzdem bleiben solche Situationen leider nicht aus und man muss auf diese vorbereitet sein. Sei es nun, dass der Hund etwas Falschen gefressen hat, von dem er besser die Zähne gelassen hätte, oder das im Eifer des Gefechts ein Unfall passiert, da der Hund eventuell Wild nachsetzt, eine Strasse überquert und vor ein Fahrzeug läuft. Der Gefahrensituationen gibt es viel, sodass hier nicht auf jede einzelne Situation eingegangen, sondern nur ein erster - wenn auch sehr grober - Überblick gegeben werden soll.
Die Jagdhund-Apotheke: Was gehört unbedingt dazu?
Ein absolut wichtiger Punkt ist in Hinblick auf die Erste Hilfe für den Jagdhund auch die Jagdhundapotheke. Diese sollte immer vollständig sein und folgende Inhalte umfassen:
- Zeckenzange
- Schere
- Pinzette
- Krallenzange
- 2-4 Pfotenstulpen
- Fieberthermometer
- Rettungsdecke für Hunde
- kleine Taschenlampe
- Mullbinden für Gliedmaßen und Fang
- Einmalhandschuhe (mindestens 2 Paar)
- Mittel zur Wundreinigung (z.B. Jodlösung)
- 3% Wasserstoffperoxid
- Elektrolytpulver
- Mullkompressen
- Verbandswatterollen
- flexible Kohäsivbinden
- Einwegspritzen (mindestens 2 á 10 ml)
- Pflaster und/oder Heftpflaster
- Cool & Hot Pack
- Fleecedecke
Hier gilt noch zu erwähnen, dass die Jagdhundapotheke vielleicht das wichtigste Hilfsmittel für eine Erste Hilfe am Jagdhund ist und somit immer überprüft werden sollte, bevor man auf die Pirsch geht und erst recht bevor man zur Jagd geht. Abgelaufene Produkte, die man zum Glück nicht verwenden musste, sind umgehend zu entsorgen und durch frische Medikamente oder Hilfsmittel zu ersetzen.
Grundlegende Maßnahme zur ersten Hilfe: Der Selbstschutz ist immer wichtig!
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Erste Hilfe am Jagdhund massgeblich mitbestimmt, ist immer auch der Selbstschutz für den Helfer oder die Helferin. Gerade verletzte Hunde, die unter starken Schmerzen leiden, reagieren anders, als man das von ihnen gewohnt ist und können somit auch unkalkulierbar und unberechenbar sein. Eine sogenannte Maulschlinge ist dabei ein guter Schutz vor Bissverletzungen. Wichtig ist allerdings immer zu bedenken, dass die Maulschlinge kein Wundermittel ist, denn es gibt natürlich auch Situationen, in denen diese nicht angewendet werden darf. So darf die Maulschlinge nie angewendet werden, wenn der Hund unter Verletzungen im Maul, am Kiefer oder im Nacken leidet. Auch bei Nasenbluten, Atemnot, Hitzschlag, Herz-Kreislaufbeschwerden oder bei Erbrechen ist so eine Maulschlinge absolut tabu.
Lagerung und Transport verletzter Hunde
Wie man das auch vom Menschen her kennt, spielen Lagerung und Transport auch in Hinblick auf die Erste Hilfe bei Hunden bzw. Jagdhunden immer eine große Rolle. Hier kommt übrigens auch die Idee ins Spiel, nach Möglichkeit, den Tierarzt ins Revier zu bitten, wenn man unsicher ist, um einfach dem Hund Schmerzen zu ersparen und eine sachgerechte Lagerung und einen sachgerechten Transport zu ermöglichen. Ähnlich dem menschlichen Transport hätte man so auch die Möglichkeit einer Betäubung, sodass der Hund schmerzfrei zur Praxis transportiert werden kann. Ein guter Tierarzt wird dazu übrigens bereit sein und bei allen anderen lohnt es sich noch einmal die künftige Zusammenarbeit zu überdenken. In der Regel ist für einen sachgerechten Transport ohnehin eine zweite Person nötig, damit der Hund lehrbuch- und tiergemäß auf einer Decke, besser aber auf einem Brett transportiert werden kann. Wichtig ist auch, den Hund zum Auto zu tragen und auf keinen Fall Druck auf die Verletzung auszuüben. Darüber hinaus ist es wichtig, die sogenannten Normwerte zu kontrollieren. Zu ihnen zählen beispielsweise der Puls, die Atmung, das Herz-/Kreislaufsystem und die Körpertemperatur sowie die Schleimhautfarbe im Maul und am Augenlid, um nur einige zu nennen. Bewusstlose Hunde sind übrigens auch in Seitenlange zu stabilisieren.
Fazit:
Grundsätzlich sollte aber immer bedacht werden, dass ein verletzter Hund immer in die sachkundigen Hände eines Tierarztes gehört. Und auch Tierärzte bieten in der Regel Notdienste an und behandeln "ihre" Patienten auch auswärts. Wer sich also absolut unsicher ist, was dem Hund gerade fehlt oder wem der Hund direkt während der Jagd verunfallt ist, der sollte sich also nicht scheuen, auch den Tierarzt ins Revier zu bitten. Ein guter Tierarzt, der sich um seine Patienten liebevoll kümmert und nicht nur sprichwörtlichen "Dienst nach Vorschrift" macht, wird dieser Bitte sicher nachkommen, sofern es zeitlich möglich und nicht direkt während der unmittelbaren Sprechzeiten ist. Nun wird man als Jäger aber wohl in erster Linie in den frühen Morgenstunden oder am späteren Nachmittag bzw. Abend zur Jagd gehen, denn diese Zeiten liegen in der Natur der Sache. In einem solchen Fall ist es in der Regel möglich, dass der Tierarzt im Notfall auch ins Revier fährt, wie er dies beispielsweise auch bei jedem Bauernhof tut, wenn ein Tier verletzt oder erkrankt ist.
Trotzdem sollte unbedingt auf folgende Aspekte geachtet werden:
- die Vollständigkeit der Jagdhundapotheke, die bereits vor Aufbruch zur Jagd zu überprüfung ist
- Im Notfall immer an die Eigensicherung denken
- Die Normwerte des Hundes kontrollieren, dazu zählen beispielsweise der Puls, die Atmung und der Flüssigkeitsstatus sowie die Körpertemperatur etc.
- Die Regeln zum sachkundigen Transport und zur sachkundigen Lagerung verletzter Hunde beachten