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Der König der Alpen: Das Phänomen Alpensteinbock in der Schweiz

Der König der Alpen: Das Phänomen Alpensteinbock in der Schweiz

Der Alpensteinbock ist das Symbol der Schweizer Bergwelt. Erfahre alles über die Biologie des Steinwildes und wie die Bejagung im Schweizer Jagdgesetz geregelt ist.

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⁠Er ist das unbestrittene Symbol unserer Bergwelt: der Alpensteinbock. Stolz, trittsicher und mit einem imposanten Gehörn ausgestattet, thront er über der Baumgrenze. Doch die Geschichte des Steinwildes in der Schweiz ist nicht nur eine von imperialer Erhabenheit, sondern auch eine der dramatischsten Rettungsaktionen des heimischen Artenschutzes.

⁠In diesem Beitrag beleuchten wir alles Wissenswerte rund um die Biologie und Lebensweise des Steinbocks und wie die Bejagung des Steinwildes im Schweizer Jagdgesetz geregelt ist.

Steckbrief Alpensteinbock

Merkmal

Daten

Wiss. Name

Capra ibex

Lebensraum

Alpen oberhalb der Waldgrenze

Höhe

ca. 1'600–3'300 m ü. M.

Gewicht Bock

bis ca. 120 kg

Gewicht Geiss

bis ca. 50 kg

Brunftzeit

Dezember bis Januar

Nahrung

Gräser, Kräuter, Flechten

Lebenserwartung

Böcke ca. 14–16 Jahre, Geissen 20+ Jahre

Besonderheit

Hörner wachsen lebenslang

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Vom Aussterben zur Erfolgsgeschichte (Vorkommen)

Kaum zu glauben, aber Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der letzte Steinbock in der Schweiz erlegt. Das Tier galt bei uns als vollständig ausgerottet – primär wegen der intensiven Bejagung als „wandelnde Apotheke“ (selbst dem Herzknorpel wurde Heilwirkung nachgesagt).

Dass wir heute in der Schweiz wieder rund 19'000 bis 21'000 Tiere zählen, verdanken wir einer handfesten Schmuggelaktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Aus dem italienischen Jagdrevier von König Vittorio Emanuele. wurden heimlich Kitze in die Schweiz – genauer in den Wildpark Peter und Paul in St. Gallen – gebracht. Von dort aus startete die erfolgreiche Wiederansiedlung.

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Der Lebensraum: Extrem ist gerade gut genug

Der Steinbock ist ein absoluter Spezialist des Hochgebirges. Er bewegt sich meist weit oberhalb der Waldgrenze auf Höhen zwischen 1'600 und über 3'000 Metern über Meer.

Sommer

Die Tiere ziehen sich in extreme Höhenlagen bis an die Schneegrenze zurück, um der Hitze zu entgehen.

Winter

Dann suchen sie steile, südexponierte Hänge auf, weil dort weniger Schnee liegt und sie leichter an die karge Vegetation wie Gräser, Kräuter oder Flechten gelangen.

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⁠⁠Das Gehörn: Ein Lebenslauf aus Horn

Das Gehörn ist das markanteste Merkmal des Steinwildes – und eine begehrte Jagdtrophäe. Anders als beim Hirsch wird das Horn nie abgeworfen, sondern wächst ein Leben lang.

Fotocollage mit einem Steinbock mit kurzen Hörnern im Porträt und zwei Steinböcken zusammen im Schnee.png

Die Böcke

Ihre Hörner sind mächtig, nach hinten gebogen und können bis zu einem Meter lang sowie über vier Kilogramm schwer werden. Die auffälligen Schmuckknoten auf der Vorderseite sind übrigens nicht die eigentlichen Jahrringe.

Die Geissen (Weibchen)

Auch sie tragen Hörner, diese sind jedoch deutlich kürzer (meist maximal 35 Zentimeter) und nur leicht nach hinten gebogen.

Praxis-Tipp zur Altersbestimmung

Das Alter eines Bockes lässt sich anhand der feinen Jahrringe auf der Hornrückseite relativ zuverlässig abschätzen. Jedes Jahr im Winter verlangsamt sich das Hornwachstum stark, wodurch eine dunklere Furche entsteht.

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⁠Das Gehörn unter der Lupe

Um das Gehörn eines Steinbocks richtig anzusprechen, muss man die sichtbaren Merkmale korrekt deuten können. Für viele Jäger gilt dies als Königsdisziplin der Hochwildjagd.

Schmuckringe vs. Jahrringe

Die dicken, auffälligen Wülste auf der Vorderseite des Horns sind die sogenannten Schmuckringe. Sie entstehen während der Wachstumsphasen des Horns und dienen vermutlich der Stabilität bei Brunftkämpfen. Das tatsächliche Alter liest man jedoch an den feinen Jahrringen auf der Rückseite oder den Seitenflächen ab.

Das biologische Wachstum

Das Horn wächst aus der sogenannten Stirnzapfen-Haut. Im Winter – meist zwischen November und März – wird das Wachstum aufgrund des geringeren Nahrungsangebots stark reduziert. In dieser Ruhephase entsteht die schmale, dunkle Furche des Jahrrings.

Wachstumsverlauf im Alter

2. bis 5. Lebensjahr

Das Horn wächst besonders schnell. In dieser Zeit entstehen die längsten jährlichen Zuwachsstücke.

Ab dem 10. Lebensjahr

Das Wachstum verlangsamt sich deutlich. Die Jahrringe liegen enger beieinander und das Horn wird an der Basis massiver, wächst jedoch kaum noch in die Länge.

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Lebenserwartung: Wie alt wird der König der Berge?

Das Alter von Steinwild wird stark von Geschlecht, Lebensraum und den extremen Bedingungen im Hochgebirge beeinflusst.

Böcke

Männliche Steinböcke erreichen häufig ein Alter von etwa 14 bis 16 Jahren. Das Leben der alten Böcke ist geprägt von Brunftkämpfen, hohem Energieverlust im Winter und den harten Bedingungen des alpinen Lebensraums. Besonders strenge und schneereiche Winter werden für ältere Tiere oft zur grossen Herausforderung.

Geissen

Weibliche Steinböcke gelten als widerstandsfähiger und erreichen meist ein höheres Alter als die Böcke. Geissen können durchaus 18 bis über 20 Jahre alt werden; einzelne Tiere erreichen sogar ein Alter von mehr als 22 Jahren.

Sozialstruktur & Gruppendynamik

Steinböcke sind erstaunlich gesellig, leben jedoch ausserhalb der Brunft meist nach Geschlechtern getrennt.

Die Geissrudel

Weibchen, Kitze und Jungtiere bilden feste Gruppen. Dort wachsen auch die Jungen auf, die meist im Juni nach einer Tragzeit von rund 22 Wochen geboren werden. Als typische Nestflüchter können sie bereits wenige Stunden nach der Geburt sicher im Fels klettern.

Die Bockrudel

Die Männchen bilden ausserhalb der Brunft eigene „Junggesellen-Gruppen“. Erst im Spätherbst und Winter löst sich diese Struktur auf. Dann kommt es zu den imposanten Brunftkämpfen, bei denen die Böcke auf die Hinterbeine steigen und ihre Hörner mit lautem Krachen aufeinanderschlagen.

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Die Brunftzeit: Spektakel im tiefsten Winter

Während das meiste Schalenwild bereits im milden Herbst brunftet, beginnt für den Steinbock die intensivste Zeit des Jahres erst mitten im Winter.

Fotocollage mit einem Steinbock im Profil einer grasenden Herde im Schnee und demselben Steinbock mit Blick zur Kamera.png

Der Zeitraum

Die Brunft findet hauptsächlich zwischen Dezember und Januar statt.

Das Verhalten

Die Böcke, die den grössten Teil des Jahres in eigenen Rudeln leben, schliessen sich nun den Geissrudeln an. Da die Weibchen nur für kurze Zeit empfängnisbereit sind, entsteht unter den Böcken eine intensive Konkurrenz.

Die Kämpfe

Nun kommt das imposante Gehörn zum Einsatz. Rivalisierende Böcke richten sich auf den Hinterbeinen auf und schlagen ihre Hörner mit enormer Wucht gegeneinander. Das dumpfe Krachen hallt dabei oft weit durch die winterlichen Bergtäler.

Trotz der gewaltigen Aufprallkräfte verletzen sich die Tiere vergleichsweise selten schwer. Dafür sorgen ihre massiven Stirnknochen sowie die robuste Struktur des Gehörns, die über Jahrtausende an diese Kämpfe angepasst wurde.

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Rechtlicher Status & Jagdgesetz in der Schweiz

Hier zeigt sich die Verbindung zwischen modernem Wildtiermanagement und Jagdpraxis. Der Alpensteinbock ist gemäss dem eidgenössischen Jagdgesetz (JSG) eine geschützte Tierart. Er darf daher nicht regulär im Rahmen der Patent- oder Revierjagd bejagt werden. Die Bestandesregulierung (Hegejagd) Trotz des Schutzstatus erlaubt der Bund den Kantonen eine streng reglementierte Bestandesregulierung im Rahmen des Jagdgesetzes (JSG) und der Jagdverordnung (JSV).

⁠Der Hintergrund: Die heutige Population geht auf wenige Gründertiere zurück, weshalb der Genpool vergleichsweise eng ist. Zudem spielen natürliche Feinde bei der Regulierung der Bestände bislang nur regional eine grössere Rolle.

Strenges Kontingent

Die kantonalen Jagdverwaltungen legen jährlich exakt fest, wie viele Tiere – aufgeteilt nach Altersklassen und Geschlecht – entnommen werden dürfen.

Nachhaltigkeit vor Trophäe

Fehlabschüsse, etwa eines nicht freigegebenen oder zu jungen Bockes, werden streng geahndet. In vielen Kantonen wird die Trophäe zudem eingezogen. Das System soll eine gesunde Altersstruktur innerhalb der Kolonien sicherstellen.

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Das Jagdgesetz & die Jagdverordnung (JSV)

Die rechtliche Situation in der Schweiz gilt als Paradebeispiel für föderalistisches Wildtiermanagement. Das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG) bildet den rechtlichen Rahmen, während die Jagdverordnung (JSV) die praktische Umsetzung regelt.

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Die Jagdbarkeit und das „Drei-Klassen-System“

Da der Steinbock geschützt ist, existiert keine klassische Jagdzeit, sondern eine staatlich bewilligte Bestandesregulierung. Um stabile Bestände zu gewährleisten, arbeiten viele Kantone mit einem Klassen-System:

Klasse

Beschreibung

Jagdliche Bedeutung

Jährlinge

Männliche und weibliche Tiere im 2. Lebensjahr

Werden teilweise zur Bestandesregulierung entnommen

Geissen

Weibliche Tiere ab dem 3. Lebensjahr

Wichtig für den Bestandeszuwachs; meist werden gezielt ältere oder nicht führende Tiere freigegeben

Böcke

Männliche Tiere, unterteilt in Jung-, Mittel- und Altböcke

Die Freigabe älterer Böcke ist streng limitiert und oft an zusätzliche regulatorische Auflagen gekoppelt

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Die Rolle jüngster Jagdgesetz-Revisionen

Die Debatten rund um die Revision des Schweizer Jagdgesetzes haben indirekt auch Auswirkungen auf das Steinwild. Während der öffentliche Fokus meist auf dem Wolf liegt, betrifft die Diskussion grundsätzlich den Umgang mit Wildtierbeständen und deren Regulierung.

⁠Für den Steinbock bedeutet dies insbesondere:

Präventive Regulierung

Die Kantone verfügen heute über mehr Handlungsspielraum, um bei drohenden Lebensraumschäden oder lokal überhöhten Beständen frühzeitig einzugreifen.

Wildschäden im Schutzwald

Wenn Steinbockkolonien lokal zu stark anwachsen und empfindliche alpine Schutzwälder beeinträchtigen, können kantonale Behörden die Abschusskontingente für bestimmte Regionen anpassen.

Gesundheit der Bestände

Ziel der Regulierung ist unter anderem, übermässige Wilddichten sowie mögliche Krankheitsübertragungen innerhalb von Wild- und Nutztierbeständen zu vermeiden.

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Fazit: Verantwortung für den König der Berge

Für viele Jäger und Naturbeobachter ist der Anblick eines Steinbocks im hochalpinen Raum ein unvergessliches Erlebnis. Die heutige Regulierung zeigt, wie moderner Artenschutz, wissenschaftliches Wildtiermanagement und Jagdpraxis in der Schweiz miteinander verbunden werden können.

Durch eine sorgfältige und nachhaltige Bewirtschaftung soll der Fortbestand dieses majestätischen Wildtieres auch für kommende Generationen gesichert werden.