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Praxis- & Erfahrungsbericht: Die DJI Matrice 4 Thermal im Jagd- und Revieralltag

von Berufsjäger Gianni Parpan, prowaidwerk.ch
Praxis- & Erfahrungsbericht: Die DJI Matrice 4 Thermal im Jagd- und Revieralltag

Berufsjäger Gianni Parpan zieht Bilanz: Die DJI Matrice 4 Thermal überzeugt bei Kitzrettung und Wildmonitoring, bringt durch ihre Lautstärke aber auch jagdliche Herausforderungen mit sich.

Die DJI Matrice 4 Thermal wurde und wird bei uns hauptsächlich in unseren Revieren in Deutschland zur Kitzrettung, für das Wildmonitoring und in bestimmten Situationen zur Unterstützung bei Nachsuchen eingesetzt. Nach mehreren Einsätzen zeigte sich schnell, dass die Drohne technisch enorm leistungsfähig ist, gleichzeitig aber auch Eigenschaften mitbringt, die man jagdlich unbedingt berücksichtigen muss.

Besonders beeindruckend ist für uns die Wärmebildkamera und der herausragende Zoom. Bereits bei den ersten Flügen fiel auf, wie sauber und detailliert Wärmequellen dargestellt werden. Gerade bei der Kitzrettung erkennt man Kitze wesentlich besser als mit älteren Wärmebilddrohnen oder kleineren Consumer-Modellen. Selbst in feuchtem Gras oder dichter Vegetation lassen sich Körperkonturen oft noch klar erkennen.

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Nicht mehr auf die Morgenstunden angewiesen

Ein grosser Fortschritt gegenüber älteren Systemen ist für uns, dass man nicht mehr ausschliesslich auf die frühen Morgenstunden angewiesen ist. Früher musste die Kitzrettung meist sehr früh erfolgen, solange der Temperaturunterschied zwischen Boden und Wildkörper noch gross genug war.

Ein Kitzretter-Team steht bei Sonnenaufgang am frühen Morgen mit der Drohnenausrüstung auf einer grünen Wiese.Die DJI Matrice 4 Thermal Drohne fliegt vor dem Hintergrund einer tief stehenden Abendsonne über ein Feld.png



Mit der hochwertigen Wärmebildkamera der DJI Matrice 4 Thermal funktioniert die Suche inzwischen auch in den Abendstunden erstaunlich gut. Die hohe thermische Auflösung und die empfindliche Sensorik sorgen dafür, dass Temperaturunterschiede wesentlich präziser erkannt werden können. Dadurch hebt sich Wild auch dann noch deutlich von der Umgebung ab, wenn der Boden bereits Wärme gespeichert hat. Gerade an warmen Tagen ist das ein enormer Vorteil. Für viele Landwirte ist das eine grosse Erleichterung.

Abendflüge lassen sich organisatorisch oft deutlich besser in den Arbeitsalltag integrieren als Einsätze um vier oder fünf Uhr morgens. Dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen Jagd und Landwirtschaft wesentlich flexibler und unkomplizierter. Auch für das Wild resultiert daraus ein grosser Vorteil, Kitze sind so oft deutlich weniger lang in der Box.

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Weniger Ausrüstung zum Schleppen

Sehr erfreulich finden wir, dass keine zusätzlichen Bildschirme oder umfangreiche Zusatztechnik nötig sind. Das grosse integrierte Display der Fernsteuerung liefert bereits ein sehr helles und hochwertiges Bild der «Normalen» wie auch der Thermalkamera. Gerade im mobilen Einsatz spart dies Zeit, Aufwand und Platz im Auto, da man schneller einsatzbereit ist und kaum noch mit zusätzlicher Verkabelung arbeiten muss.

Der helle Bildschirm der Fernsteuerung zeigt das detaillierte Wärmebild einer Wiese, während die DJI Matrice 4 Drohne startbereit auf ihrer orangefarbenen Landeplattform steht und von einem Mann mit dem Rücken zur Kamera gesteuert wird.png



Bei grösseren Gruppen von Kitzrettern kann ein externer Bildschirm trotzdem sinnvoll sein, damit der Pilot ungestört fliegen kann, während die Helfer das Wärmebild mitverfolgen. ⁠Zusätzlich erleichtert die automatische Flugplanung das effiziente und strukturierte Abfliegen grosser Wiesenflächen erheblich.

Ein Kitzretter-Team geht mit Rettungsausrüstung wie Kescher und Körben über eine grüne Wiese, mit dem Rücken zur Kamera gewandt.png



Bewährt hat sich zudem das Setzen von Markierungen direkt während des Fluges, insbesondere bei vielen Wärmequellen oder niedrigem Akkustand. Die markierten Punkte können später mithilfe der GPS-Daten auch ohne Drohne gezielt angelaufen und kontrolliert werden.

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Akkumanagement und Einsatzbereitschaft

Die Akkus der DJI Matrice 4 ermöglichen grundsätzlich eine lange Flugzeit und erleichtern dadurch die Kontrolle grösserer Flächen, ohne ständig gewechselt werden zu müssen. Im praktischen Einsatz zeigt sich jedoch, dass die Akkus bei längerer Lagerung eine vergleichsweise starke Selbstentladung aufweisen. Werden sie nicht in der Ladestation gelagert oder regelmässig nachgeladen, kann der Ladestand innerhalb von zwei bis drei Wochen um rund 30–40 % sinken.

Die mitgelieferte Ladestation verfügt zwar über ein Erhaltungsprogramm, dennoch empfiehlt es sich, vor jedem Einsatz alle Akkus vollständig aufzuladen und genügend Ersatzakkus bereitzuhalten. Standardmässig leitet die Drohne bei etwa 20 % Akkustand automatisch den Rückflug ein. Diese Sicherheitsfunktion kann zwar deaktiviert werden, dennoch sollte immer ausreichend Reserve eingeplant werden. Startet man beispielsweise nur mit 70 % Akkuladung und beendet den Flug bei 20 %, reduziert sich die tatsächlich nutzbare Flugzeit deutlich.

Zwei gerettete Rehkitze liegen zusammen in einem Korb mit Gras, geschützt vor den Mähmaschinen des Landwirts. Ein Mann steht in einer Wiese mit hohem Gras und hält vorsichtig ein gerettetes Rehkitz, das zum Schutz mit viel Gras umwickelt ist.png

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Unterstützung bei Nachsuchen

Im Bereich Nachsuche setzen wir die Drohne bewusst nur gezielt ein. Sie ist kein Ersatz für den Hund oder den Nachsuchenführer, sondern eine zusätzliche, meist vorgängige Unterstützung.

Zum Einsatz kommt sie, wenn zum Beispiel ein Stück Schwarzwild bei der nächtlichen Pirsch oder der Bock im letzten Büchsenlicht beschossen wurde, deutliche oder tödliche Pirschzeichen vorhanden sind, das Wild aber in hohem Gras, Raps, Mais oder anderen dichten Kulturen nicht sichtbar liegt. In solchen Fällen hilft die Drohne, bereits verendetes Wild schnell zu lokalisieren und eine Wildbretentwertung, etwa durch Verhitzen, zu vermeiden.

Besonders in hohen Feldkulturen und bei Dunkelheit spart sie meist viel Zeit, da ein Nachsuchegespann oft erst am nächsten Morgen verfügbar ist. Eine saubere Nachsuche mit brauchbarem Hund ersetzt sie jedoch ganz klar nicht.

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Dokumentation und Beurteilung von Wildschäden

Auch bei der Dokumentation von Wildschäden ist der Einsatz der DJI Matrice 4 besonders hilfreich. Schäden können aus der Luft schnell und grossflächig erfasst werden, wodurch sich ein klarer und übersichtlicher Gesamteindruck der betroffenen Flächen ergibt. Dies erleichtert die anschliessende Beurteilung erheblich, da sowohl das Ausmass als auch die Verteilung der Schäden gut nachvollziehbar sind.

Zusätzlich sind aus der Luft häufig auch Ein- und Auswechsel von Wild klar erkennbar. Dadurch lassen sich die Bewegungsmuster der Tiere besser nachvollziehen und potenzielle Schadensschwerpunkte insbesondere in Kulturen im Stadium der Milchreife gezielter einordnen.

Durch die präzise GPS-Positionierung lassen sich auffällige Stellen exakt markieren und dokumentieren. Diese Punkte können später am Boden gezielt wieder aufgesucht werden, um die Schäden direkt zu kontrollieren, zu bewerten oder weiter aufzunehmen. Dadurch wird die Arbeit nicht nur effizienter, sondern auch deutlich genauer und nachvollziehbarer.

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Neue Perspektive im Revier zur Jagdplanung

Besonders interessant ist die Matrice 4 Thermal auch im Bereich Wildmonitoring. Die besten Ergebnisse erzielt man unserer Erfahrung nach dabei oft in der vegetationsarmen Zeit nach dem Laubfall, beispielsweise im Februar oder März.

Durch die freie Sicht in den Wald und die geringere Deckung lassen sich Wildbestände, aber auch Wildbewegungen wesentlich besser erkennen als während der Sommermonate. Gerade in dieser Zeit kann die Drohne helfen, Fernwechsel, Einstände und regelmässige Wildbewegungen sichtbar zu machen. Auch sogenannte „Dunkelbrücken“, also bevorzugte Wechsel zwischen Deckungsbereichen, lassen sich aus der Luft oft sehr gut erkennen.

Für die Planung von Bewegungsjagden oder Pirschgängen liefert dies wertvolle Informationen. Man erkennt häufig deutlich, welche Bereiche vom Wild bevorzugt angenommen werden und wo starke Wechsel verlaufen.

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Matrice 4 wird vom Wild stark wargenommen

Allerdings gibt es auch einen deutlichen Nachteil, der im Einsatz sehr auffällt: die Lautstärke. Die Matrice 4 Thermal ist wesentlich lauter als kleinere Drohnen. Gerade sensibles Wild reagiert darauf deutlich stärker. Rehwild sichert oft schon auf grössere Entfernung und zieht frühzeitig ab, auch Rotwild reagiert spürbar empfindlich.

Dabei haben wir den Eindruck, dass das Wild möglicherweise nicht nur auf das reine Fluggeräusch reagiert. Denkbar ist auch, dass hochfrequente Geräusche der Rotoren, Vibrationen, Infrarotschallwellen oder andere technische Eigenschaften der Drohne wahrgenommen werden, die für den Menschen kaum auffallen. Ob und in welchem Ausmass dies tatsächlich eine Rolle spielt, können wir allerdings nicht beurteilen, da uns dazu die technischen und biologischen Kenntnisse fehlen.

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Technisch besser, aber nicht unauffälliger

Im Umkehrschluss heisst das auch, dass technische Überlegenheit nicht automatisch bedeutet, dass die Drohne unauffälliger arbeitet. In der Praxis muss man deshalb mit grösserer Flughöhe arbeiten und Flugrouten vorsichtig planen. Besonders in ruhigen Revieren oder in Gebieten mit wenig Störungen reagiert das Wild sehr sensibel auf die Drohne. Für reine Beobachtungszwecke können kleinere Modelle teilweise unauffälliger sein, auch wenn deren Wärmebildtechnik schwächer ist.

Positiv bleibt dagegen die Kombination aus Wärmebildkamera und Zoomkamera. Oft kann man Wild zunächst thermisch erfassen und anschließend aus grösserer Distanz optisch kontrollieren, ohne direkt näher heranzufliegen. Gerade bei Nachsuchen oder bei der Kontrolle von Feldflächen ist das sehr hilfreich.

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Kantonale Bestimmungen beachten

Der Einsatz von Drohnen im jagdlichen Bereich ist in der Schweiz grundsätzlich im Bundesjagdgesetz geregelt. Zusätzlich müssen jedoch die kantonalen Vorschriften beachtet werden, da diese je nach Region unterschiedlich ausfallen können. Insbesondere der Einsatz von Wärmebilddrohnen im Zusammenhang mit Jagd, Wildtierbeobachtung oder Nachsuchen ist nicht überall gleich geregelt. Deshalb sollte man sich vor jedem Einsatz genau über die im jeweiligen Kanton geltenden Bestimmungen und zulässigen Anwendungen informieren.

Die Technik selbst ersetzt zudem keine jagdliche Erfahrung. Wärmebilder richtig zu interpretieren, Wildverhalten einzuschätzen und unnötige Störungen zu vermeiden, bleibt entscheidend. Man merkt relativ schnell, dass ein verantwortungsvoller Drohneneinsatz viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl verlangt.

Insgesamt ist die DJI Matrice 4 Thermal eine sehr leistungsfähige Wärmebilddrohne für professionelle jagdliche Anwendungen. Besonders bei Kitzrettung, Wildmonitoring und gezielten Einsätzen bei Nachsuchen in hohen Feldfrüchten spielt sie ihre technischen Stärken klar aus.

Der grösste praktische Nachteil bleibt jedoch die hohe Wahrnehmung vom Wild, die deutlich stärker ist als bei kleineren Drohnen. Wer diese technisch fantastische Drohne sinnvoll einsetzen möchte, muss deshalb Technik, Jagdpraxis und Rücksicht auf das Wild gut miteinander verbinden.