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⁠Meine jagdliche Heimat – Wachteljagd mit meiner Jagdgruppe Fazan Odžak

von Michel

Blog von: Michel Andrijanic Category Manager Fischen & Jagen

⁠Revier: Odžak, Posavina

⁠Fokus: Vielfalt leben und die Jagd als weltweites Miteinander feiern.

Grüezi und Waidmannsheil liebe Community!

Die Schweizer Jagdtraditionen bedeuten mir sehr viel, aber heute nehme ich euch mit in
meine zweite jagdliche Heimat. Für mich bedeutet Jagd nämlich vor allem eines: Grenzen
überwinden, voneinander lernen und die Vielfalt unserer Passion feiern. Wenn ich nicht in
der Schweiz jage, schlägt mein Jägerherz in der geschichtsträchtigen Posavina-Region.
Heute nehme ich euch exklusiv mit zu meiner Jagdgruppe – der LU „Fazan“ in Odžak!
In der Schweiz ist die Wachteljagd kein Thema mehr. Umso stolzer bin ich, euch heute zu
zeigen, wie dynamisch, traditionsreich und mit dem Hund im Mittelpunkt diese Jagd bei uns abläuft. Kommt mit auf die Stoppelfelder!

05:30 Uhr – Wo Kameradschaft keine Grenzen kennt

Unser Morgen in Odžak beginnt, wie er immer beginnt: mit dem Duft von starkem,
traditionellem Kaffee und dem ungeduldigen Winseln unserer Vorstehhunde. Hier bin ich
nicht der Gast aus der Schweiz – hier bin ich einer von ihnen, ein Kamerad unter
Gleichgesinnten. Man scherz, lacht und teilt dieselbe Passion.

⁠Bevor wir die Autos besteigen, gibt es das obligatorische Briefing. Da wir bei der
Wachteljagd in einer exakten Linie (Kette) zu Fuss durch die riesigen Felder marschieren, ist absolute Disziplin gefragt. Jeder muss wissen, wo sein Nebenmann steht. Sicherheit wird bei uns in der LU „Fazan“ genauso grossgeschrieben wie in jedem Schweizer Revier.

06:45 Uhr – Die unendliche Weite der Posavina

Wenn man wie ich die engen Schweizer Täler und Bergflanken gewohnt ist, raubt einem der Blick über die Posavina jedes Mal aufs Neue den Atem. Flach, weit, goldene Weizenstoppeln und Brachflächen, die sich bis zum Horizont an der Save erstrecken.

⁠Die absoluten Hauptdarsteller des Morgens sind unsere Hunde. Pointer, Deutsch Kurzhaar
und Epagneul Bretons schiessen wie Blitze durch das trockene Cover. Die Wachtel drückt
sich extrem flach und fest in den Boden – ohne die feine Nase eines passionierten
Vorstehhundes läuft man hier an jedem Vogel vorbei. Das Zusammenspiel zwischen uns
Jägern und den Hunden ist pure Poesie.

07:15 Uhr – Der Moment, in dem Sekunden entscheiden

Die Wachteldichte in diesem Revier ist beeindruckend. Lange Leerlaufphasen gibt es hier
kaum. Kaum haben wir die ersten Meter durch die trockenen Stoppelfelder zurückgelegt,
arbeitet der erste Pointer bereits konzentriert gegen den Wind. Jeder Schritt kann Wild
bringen. Genau dieses Tempo macht die Wachteljagd so faszinierend: Eben noch sucht die
Hundelinie ruhig und systematisch das Gelände ab, im nächsten Moment verwandelt sich
alles in ein Feuerwerk aus Spannung, Präzision und Action.

⁠Plötzlich friert der Pointer meines Jagdkollegen mitten im Lauf ein.

⁠Wie eine Statue steht er da. Die Rute kerzengerade, jeder Muskel angespannt, die Nase auf ein unscheinbares Grasbüschel gerichtet. Ein Bilderbuch-Vorstehen. Jetzt weiss jeder: Hier sitzt eine Wachtel.

⁠Schlagartig wird es still. Niemand spricht mehr. Alle Augen richten sich auf den Hund. Ich
trete langsam vor. Jeder Schritt im trockenen Stroh raschelt lauter, als mir lieb ist. Mein Blick wandert zwischen Hund und Boden. Wo sitzt sie? Noch einen Schritt. Dann noch einen.

⁠Mein Puls hämmert bis zum Hals.

⁠Und plötzlich explodiert die Szene.

⁠BRRRRRRRRR!

⁠Mit einem ohrenbetäubenden Flügelschlag schiesst die Wachtel direkt vor meinen Füssen
aus der Deckung. Für den Bruchteil einer Sekunde sieht man nur Federn, Staub und eine
pfeilschnelle Silhouette. Sofort nimmt sie den Wind an und versucht mit schnellen Haken zu entkommen. Jetzt bleibt keine Zeit mehr zum Überlegen.

⁠Die Flinte geht instinktiv in die Wange. Mitschwingen. Vorhalten. Der Schuss bricht.

⁠Einen kurzen Moment scheint die Welt stillzustehen.

⁠Dann fällt die Wachtel sauber zu Boden.

⁠Noch bevor ich den Blick senke, ist unser Hund bereits unterwegs. Konzentriert arbeitet er
die Fallstelle an, nimmt das Stück vorsichtig auf und apportiert die makellose Wachtel
freudig in meine Hand. Genau für dieses perfekte Zusammenspiel zwischen Hund und Jäger investiert man unzählige Stunden in Ausbildung und Training.

⁠Von links und rechts ertönt ein kräftiges
„Dobar pogled!“ – Waidmannsheil. Hände werden
geschüttelt, man nickt sich zu und freut sich ehrlich miteinander.

⁠Doch lange bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Während die Wachtel versorgt wird, arbeiten die Pointer bereits wieder das Gelände ab. Nur wenige Minuten später steht der nächste Hund erneut bombenfest vor. Wieder steigt der Puls, wieder herrscht gespannte Stille – und wieder entscheidet ein einziger Augenblick über Erfolg oder Misserfolg. Genau diese rasche Abfolge von Sucharbeit, Vorstehen, Aufstehen des Wildes und Schuss macht eine Wachteljagd so aussergewöhnlich. Konzentration, Adrenalin und Dynamik wechseln sich im Minutentakt ab.

⁠Wer einmal eine gut organisierte Wachteljagd erlebt hat, versteht ihre Faszination sofort. Es ist das perfekte Zusammenspiel von hervorragend ausgebildeten Vorstehhunden,
erfahrenen Schützen und einem ausgezeichneten Wachtelbestand. Jede Situation ist
anders, jede Wachtel fliegt anders, jeder Schuss ist neu. Gerade diese Unberechenbarkeit
und die hohe Frequenz an spannenden Jagdmomenten machen die Niederwildjagd zu
einem der dynamischsten und mitreissendsten Jagderlebnisse überhaupt.

09:30 Uhr – Ein Miteinander, das bleibt

Gegen halb zehn brennt die Sonne gnadenlos auf die Felder der Posavina. Für unsere
Hunde wird es zu heiss – und das Wohl der Tiere steht bei uns immer an erster Stelle. Wir
brechen ab. Die Strecke ist ordentlich, und jede einzelne Wachtel wird in den nächsten
Tagen zu einer absoluten Delikatesse verarbeitet.

⁠Jetzt folgt der Teil des Jagdtages, der unsere Jagdgruppe seit Jahren zusammenschweisst: das gemeinsame Schüsseltreiben im angenehmen Schatten.

⁠Auf den rustikalen Holztisch kommen hausgemachter Speck, würzige Kulen, frische
Tomaten aus dem eigenen Garten, knuspriges Brot und natürlich gut gekühlte Getränke.
Nach den intensiven Stunden im Feld schmeckt jede Kleinigkeit gleich doppelt so gut.
Wie immer dreht sich das Gespräch schnell um die Jagd. Wir tauschen Erlebnisse aus,
frotzeln miteinander und lassen die spannenden Szenen des Morgens noch einmal Revue
passieren. Natürlich bleibt auch mein Job nicht lange unerwähnt. Neugierig wollen die Jungs wissen, welche Neuheiten es bei Hauptner Jagd gibt und welches Equipment sich in der Praxis besonders bewährt. Mit Freude erzähle ich von neuen Produkten, spannenden Entwicklungen und meinen persönlichen Erfahrungen aus dem Jagdalltag.

⁠Im Gegenzug erfahre ich aus erster Hand, was sich entlang der Save tut. Die Jäger
berichten von den aktuellen Wildtierbewegungen, spannenden Beobachtungen und den
Veränderungen in den Revieren. Genau diese Gespräche sind es, die eine Jagdreise so
wertvoll machen – ehrlicher Erfahrungsaustausch, gelebte Kameradschaft und die
gemeinsame Leidenschaft für die Jagd.

⁠Mein Fazit für diesen Blog:

Anderes Land, andere Wildart, andere Kultur – aber exakt dieselbe unendliche Leidenschaft für die Natur, das Waidwerk und den respektvollen Umgang miteinander. Es ist mir eine Ehre, Teil dieser beiden Jagdwelten zu sein.

⁠Jedes Revier ist anders, und genau diese Vielfalt macht uns Jäger aus! Wo schlägt euer
Jägerherz ausserhalb der Schweiz? Habt ihr auch eine zweite jagdliche Heimat? Schreibt es mir unbedingt in die Kommentare!

⁠Bis zum nächsten Blog und Waidmannsheil / Dobar pogled,