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Die Geweihbildung beim Rotwild

von Hauptner-Jagd
Die Geweihbildung beim Rotwild

Rotwild gehört ja bekanntlich zur Familie der Hirsche, aus der Unterordnung der Wiederkäuer in der Ordnung der Paarhufer.

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Rotwild gehört ja bekanntlich zur Familie der Hirsche, aus der Unterordnung der Wiederkäuer in der Ordnung der Paarhufer. Während die Tiere früher auf dem offenen Land lebten, werden sie mittlerweile dazu gezwungen, sich in die Wälder zurückzuziehen. Ihre Geweihe sind aber bereits seit Tausenden von Jahren von grosser Bedeutung. Die von Menschenhand bearbeiteten Geweihe dienten nämlich als Waffen oder Werkzeuge und waren für den Fortbestand der menschlichen Spezies essentiell wichtig.


Im Gegensatz zu ausgewachsenen oder sehr alten Hirschen lebt Rotwild in Rudeln unter der Führung eines Leittieres (Weiblich). Zum Leben beanspruchen die Tiere einen sehr grossen Lebensraum und machen dabei auch jahreszeitlich abhängige Wanderungen, welche jedoch mittlerweile durch die immer weiter ausdehnende Zersiedelung des Menschen nahezu unmöglich werden.

So viel aber nur zur Einstimmung in dieses nicht nur für Jäger spannende Thema. In diesem Artikel wollen wir uns aber detaillierter mit der Geweihbildung beim Rotwild auseinandersetzen.


Gattung beeinflusst die Geweihart


Grundsätzlich werden die geweihtragenden Schalenwildarten in zwei Gruppen, nämlich in die Familie der Hornträger und die Familie der Geweihträger gegliedert. Die Familie der Hirschartigen wird zudem in Echthirsche und Trughirsche gegliedert. Zur Gruppe der Echthirsche zählt neben dem Rotwild, mit dem wir uns heute beschäftigen, auch das Dam- und das Sikawild. Zu den Trughirschen gehören das Rehwild sowie die Elche.

Im Gegensatz zu den Hirschartigen wachsen die Hörner bei den Boviden (Hornträgern) tütenförmig und werden nicht abgeworfen.

Der Beginn der Geweihbildung beim Rotwild


Die Geweihbildung beim Rotwild ist ein deutlich komplexerer Prozess als bei den Hornträgern. Bei einem Geweih handelt es sich nämlich um eine Knochenart, welche jedes Jahr aufs Neue abgeworfen und anschliessend neu geschoben wird. Der gesamte Prozess wird dabei hormonell gesteuert. Entscheidenden Einfluss auf die Geweihbildung hat vor allen ein Hormon, nämlich Testosteron.

Die Geweihbildung setzt beim Rotwild gegen Ende des ersten Lebensjahres ein. Zu diesem Zeitpunkt beginnen sich bei den männlichen Kälbern Stirnzapfen zu entwickeln. Dabei wölbt sich die Abwurfnarbe nach aussen und bereits nach einer Woche ist an den Rosenstöcken ein halbkugelartiges Gebilde mit leichter Behaarung, dem sogenannten Bast zu erkennen. Vom Beginn des Wachstums dauert es dann rund 100 Tage, bis das Geweih seine finale Grösse erreicht hat. Dabei beträgt das Wachstum in Schnitt rund einen Zentimeter pro Tag. Über die gesamte Wachstumsphase hinweg wird die relativ weiche Knochensubstanz von der Basthaut umgeben, welche für die Versorgung der Knorpelspitzen mit Calcium verantwortlich ist. Diese ist aufgrund ihrer starken Durchblutung sehr empfindlich gegenüber Berührungen. Im Juli eines jeden Jahres endet die Wachstumsphase und der überschüssige Kalk wird in den Knorpelkolben gespeichert. Die Stangen beginnen aufgrund der Einlagerungen auszuhärten, die Blutversorgung der Basthaut wird eingestellt und beginnt abzusterben. Das Geweih wird aber als toter Knochen noch bis in den Winter getragen, bis sich die sogenannte Demarkationslinie bildet.

An der Demarkationslinie setzt eine ebenfalls durch Hormone ausgelöste Art von Osteoporose ein und die Stangen fallen binnen kurzer Zeit vom Haupt. Dies ist ebenfalls ein jährlich wiederkehrender Prozess.

Zu Beginn des zweiten Lebensjahres bildet sich bei den Tieren das Erstlingsgeweih. Dieses besteht ausschließlich aus Spiessen und enthält keine Rosen. Das Erstlingsgeweih wird schon kurze Zeit später, sprich im darauffolgenden Frühjahr, wieder abgeworfen.

Nachdem das Erstlingsgeweih abgeworfen wurde, beginnt beim Rotwild die Bildung eines neuen Geweihs, welches nun auch Rosen und erste Gabelungen beinhaltet. Dieses wird in der Fachsprache als Augsprosse bezeichnet. Im Laufe der Jahre nimmt die Endenzahl immer weiter zu und es kommt zur Bildung der Mittelsprosse, ab und zu kann sich auch eine Eissprosse, zwischen der Aug- und der Mittelsprosse bilden.


Während der gesamten Wachstumsphase des Geweihs ist dieses immer mit dem bereits erwähnten Bast, einer Art behaarter Haut überzogen, welche sehr empfindlich für Berührungen und Verletzungen aller Art ist. In den Monaten Juli und August, nachdem das Geweih ausgereift ist, kommt es zum sogenannten Fegen. Dabei wird die Barst an Sträuchern oder Bäumen abgestreift. Der Auslöser für das Fegen ist ein enormer Juckreiz, welcher den Hirsch dazu zwingt, den Bast loszuwerden. Durch das Fegen kommt schließlich ein weißes bzw. farbloses Geweih zum Vorschein, welches sich jedoch durch den Einfluss von Pflanzensäften schnell ins Dunkelbraune verfärbt. Das Rotwild sorgt durch weiteres Schlagen jedoch dafür, dass die Endspitzen des Geweihs hell poliert werden.


Das Stangenwerfen


Wenn das Rotwild im Februar oder März seinen Kopfschmuck abwirft, finden sich beim Spaziergang im Wald vor allem im Bereich um die Fütterungsgebiete oder den Einständen zahlreiche abgeworfene Stangen. Diese dürfen aber nur vom Jagdausübungsberechtigten eingesammelt werden und nicht von Privatpersonen. Der Jäger kann anhand der Stangen nämlich eine Einschätzung über die Altersstruktur des Wildbestandes treffen und die jagdlichen Maßnahmen dementsprechend anpassen. Zudem lassen sich anhand der Stangen auch Rückschlüsse auf die Gesundheit der Tiere ziehen.

Aber auch ein weiterer Faktor spricht gegen das Einsammeln der Stangen durch Privatpersonen. Denn durch das eifrige Sammeln werden die Tiere meist gestört und verschwenden unnötige Energie in der Winterruhe.

Lässt sich das Alter von Rotwild über das Geweih bestimmen?


Anhand des Geweihs kann keine exakte Altersbestimmung beim Rotwild erfolgen. Das Geweih kann etwas Aufschluss über das ungefähre Alter geben, aber eine genaue Bestimmung ist nicht möglich.

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