Drückjagd-Serie Teil 1: Vorbereitung, Stand und Sicherheitsausrüstung
Der Herbst taucht die Schweizer Wälder in kräftige Farben, die Morgenluft wird klamm und die Tage werden kürzer. Mit dem Einsetzen der Bewegungsjagden beginnt eine der spannendsten, aber auch anspruchsvollsten Phasen des Jagdjahres. Bei der Drückjagd entscheiden Sekunden über Jagderfolg oder Misserfolg – und vor allem über die Sicherheit aller Beteiligten.
Erfolg auf der Bewegungsjagd ist kein Zufallsprodukt. Er basiert auf gründlicher Vorbereitung, kompromissloser Sicherheitsausrüstung und der richtigen Taktik auf dem Stand. In diesem ersten Teil unserer Drückjagd-Serie beleuchten wir alles, was vor dem ersten Schuss passieren muss.
Vorbereitung: Nichts dem Zufall überlassen
Eine gelungene Drückjagd beginnt lange vor dem Anblasen am Jagdmorgen. Wer erst beim Beziehen des Standes prüft, ob die Optik eingeschossen ist oder die Batterien des Leuchtpunkts noch funktionieren, handelt fahrlässig.
1. Schiesskino und Waffen-Check
Die Schussabgabe auf flüchtiges Wild verlangt intuitive Abläufe. Ein Besuch im Schiesskino oder auf dem Laufenden Keiler vor Saisonbeginn ist Pflicht. Trainiere das schnelle In-den-Anschlag-Gehen und das Mitschwingen. Prüfe deine Waffe, Montage und Drückjagdoptik gründlich auf Festigkeit.
2. Dokumente und Ausrüstung vorbereiten
Lege am Vorabend deine Jagdpapiere, Jagdlizenz bzw. dein Jagdpatent, Standkarte und Notfallkontakte bereit. Zur Grundausstattung gehören neben Waffe und Munition auch ein Gehörschutz (idealerweise aktiv, um Anwechsellaute wahrzunehmen), ein gut schneidendes Aufbrechmesser, Bergegurt sowie Einweghandschuhe.
Sicherheit geht vor: Signalbekleidung und Awareness
Sicherheit ist das oberste Gebot jeder Bewegungsjagd. Das Zusammenspiel aus Treibern, Hunden und Schützen auf engem Raum verlangt maximale Aufmerksamkeit (Awareness) von jedem Teilnehmer.
Kompromisslose Signalbekleidung
Das menschliche Auge nimmt fluoreszierende Signalfarben sofort wahr – Schalenwild hingegen sieht zweifarbig und unterscheidet Orange kaum vom herbstlichen Waldhintergrund. Setze daher auf funktionale Signalbekleidung:
- Signaljacke oder Signalweste: Grossflächiges Blaze Orange oder Signalgelb (idealerweise nach Sicherheitsnormen zertifiziert).
- Signalmütze oder Cap: Der Kopf bewegt sich am meisten und muss für Nachbarschützen stets klar sichtbar sein.
- Witterungsschutz: Atmungsaktive, dornenfeste und wasserdichte Materialien halten dich auch nach stundenlangem Stehen warm und reaktionsfähig.
Sicherheits-Grundregel: Blicke dich nach dem Beziehen deines Standes sofort um, nimm Blickkontakt zu deinen Nachbarschützen auf und verständige dich mit ihnen durch klares Handzeichen. Erst wenn du die genauen Positionen der Nachbarn kennst, richtest du dich ein.
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Schutz für den Jagdhund: Signalweste, Ortung und Notfall-Set
Im dichten Treiben steht die Sicherheit der Hunde an erster Stelle. Mit der richtigen Schutzausrüstung minimierst du Risiken im unübersichtlichen Gelände:
Hundeschutzwesten: Eine reissfeste Weste in Signalfarbe schützt Brust und Bauch vor wehrhaftem Schwarzwild und macht den Hund für alle Schützen sofort sichtbar.
GPS-Hundeortung: Mit einem robusten Ortungshalsband behältst du Standlaute, Einstände und die Distanz zu Gefahrenzonen wie Strassen verlässlich im Blick.
Erste-Hilfe-Rucksack: Ein voll ausgestatteter Notfallrucksack am Stand oder im Fahrzeug sichert die schnelle Erstversorgung bei Schnitt-, Sturz- und Schlagverletzungen von Jäger und Hund.
Verhalten auf dem Stand: Ruhe und Schussfeldanalyse
Der Stand ist dein Arbeitsplatz für die nächsten Stunden. Wie du dich in den ersten fünf Minuten nach dem Beziehen verhältst, entscheidet oft über den Anblick.
1. Schusskorridore und Kugelfang festlegen
Noch bevor du die Waffe lädst, prüfst du das Gelände:
- Gewachsener Boden als Kugelfang: Jeder Schuss verlangt zwingend einen natürlichen Kugelfang. Schüsse in Senken, Kuppen oder in Richtung harter Böden/Steine sind absolut tabu.
- Freie Schneisen identifizieren: Bestimme feste Schusskorridore. Achte auf Astwerk, das Geschosse ablenken könnte.
- Gefahrenbereiche sperren: Lege klare Tabuzonen fest – dazu gehören die Richtungen zu Nachbarständen, Treiberlinien und Wegen.
2. Standruhe und Windrichtung
Wild verhofft selten lange. Unnötige Bewegungen und Geräusche vergrämen anwechselndes Wild frühzeitig:
- Boden säubern: Entferne trockenes Laub und knackende Äste lautlos mit den Stiefeln genau dort, wo deine Füsse stehen.
- Bereitstellen der Ausrüstung: Die Waffe bleibt griffbereit, das Fernglas oder Wärmebildgerät zur ersten Ansprache hängt sicher vor der Brust.
- Wind beachten: Prüfe kurz vor Beginn mit einem Windprüfer oder etwas trockenem Staub die Zugrichtung der Luft.
Kommunikation und Disziplin: Vom Anblasen bis zum Hahn in Ruh
Klare Absprachen verhindern Missverständnisse. Höre bei der morgendlichen Standvergabe und Ansprache des Jagdleiters aufmerksam zu:
- Welche Wildarten und Altersklassen sind freigegeben?
- Wie lauten die Jagd- und Notfallsignale (Hornsignale oder Mobilfunk/Funk)?
- Gilt striktes Standbleiben bis zum Abblasen? (Verlasse deinen Stand unter keinen Umständen vorzeitig – auch nicht, um beschossenes Wild nachzusuchen!)
Checkliste: Was gehört an den Stand?
Ausrüstungsgegenstand | Funktion |
|---|---|
Signaljacke / Signalmütze | Maximale Sichtbarkeit für Treiber und Schützen |
Aktiver Gehörschutz | Schützt das Gehör, verstärkt Umgebungsgeräusche |
Fester Standstock / Ansitzstuhl | Ermöglicht stabiles, ermüdungsfreies Warten |
Aufbrechmesser & Bergegurt | Schnelles Versorgen und Bergen nach Freigabe |
Erste-Hilfe-Rucksack & Notfallset | Schnelle Erstversorgung bei Schnitt-, Sturz- oder Schlagverletzungen von Jäger und Jagdhund |