Böcke bestätigen - alte Bekannte und neue Gesichter im Frühling entdecken

Von Hauptner-Jagd


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Wenn im Frühjahr die Tage länger werden und die Sonne bereits in den Morgenstunden wieder ihre wärmende Kraft hat, lässt sich das Rehwild oft bei bestem Tageslicht ungestört beobachten. Auch durch die Jagdruhe der letzten Monate sind die Rehe wieder deutlich vertrauter geworden. Bei den beschlagenen Geissen verlangen die schnell wachsenden Föten häufigere und intensivere Äsungsperioden als noch vor ein paar Wochen. Aber auch die Böcke lassen sich aufgrund des nun wieder erhöhten Stoffwechselbedarfs im frischen, eiweissreichen Grün zu dieser Jahreszeit gerne blicken. Die durch Tageslichtdauer gesteuerte Testosteronproduktion setzt bei ihnen in diesen Tagen ein, ihr Bastgeweih verknöchert und der Bast fängt an zu jucken und so beginnen sie das Gehörn zu verfegen. Die steigende Konzentration des Sexualhormons Testosterton führt nebenbei auch zu einer erhöhten Rivalität unter ihresgleichen und damit einhergehend auch des Territorialverhaltens und somit der Aktivität. Nie ist der „Platzbock“ ausserhalb der Brunft so sichtbar und dominant unterwegs wie jetzt im März und April. Die Einstände werden nun also aktiv ausgemacht. 



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Diese Gelegenheit sollten wir Jäger nicht auslassen, um uns in den bekannten Rehwildecken des Reviers einen Überblick zu verschaffen. Der aufmerksame Jäger kennt seine guten Bastböcke bereits von den  Wärmebildbeobachtungen durch die nächtlichen Pirschgänge und -fahrten der Winterjagd auf Raub- und Schwarzwild oder von  Wildkameraaufnahmen . Jenen Plätzen, bei denen  wir bereits im Januar und Februar die lauscherhohen Bastböcke festgestellt haben, rücken nun in unseren Focus. Auch Beobachtungen und Erfahrungen aus Vorjahren sollten wir nicht ausser Acht lassen. Telemetrie Studien am Rehwild haben ergeben, dass neue Einstände oft überlappend zu bereits bekannten, etablierten Einständen gewählt werden und der Aktionsradius selten 500 m übersteigt. In diesen bekannten Habitaten lohnt es sich, Wildkameras aufzustellen. Sei es an  Salzlecken , bekannten Wechseln ins frische Grün oder an gut angenommen Wildäckern. Ist der Standort der Kamera richtig gewählt, wird sich zu dieser Jahreszeit auch der heimlichste Bock einmal zeigen. 



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Früher hat man die Böcke oft mit Stift und Papier aufgezeichnet und bestätigt, so konnte man sie zuordnen und wieder erkennen. Heute haben wir dank der Digitalisierung, also ausgerüstet mit Wildkameras und Handys, teilweise sogar in Kombination mit einem  Spektiv , ganz andere Möglichkeiten. Neben einer hohen Detailerkennbarkeit wie beispielsweise  der Stellung der Rosenstöcke zur Altersansprache, lässt sich auch der Zeitpunkt des Verfegens oder des Färbens der Decke über mehrere Jahre beobachten und vergleichen. Voraussetzung ist natürlich, das Datum und Uhrzeit der Kamera immer richtig eingestellt sind und die Bilder jährlich sauber abgelegt und kartiert werden. Erfahrungsgemäss werden wir schnell feststellen, je älter der Bock wird, desto früher startet er in der Regel mit dem Verfegen seines Bastgeweihs. Der Zeitpunkt des Verfärbens hingegen schiebt sich mit zunehmendem Alter deutlich nach hinten.



Wer jetzt also den Frühling geniesst und viel Zeit im Revier verbringt, wird nicht nur spannende Einstandskämpfe beim Rehwild erleben und „alte Bekannte“ wieder finden, sondern mit geschicktem platzieren von Wildkameras auch neue unbekannte Gesichter entdecken und sich an manch guter Überraschung von Mutter Natur erfreuen können.